Doppelgänger, der

  1. Frühe Erzählung (1845/46) von Fjodor Dostojewski (1821-1881), in der sich der einfache Angestellte Goljadkin eines Tages von einer Art besserem Ich verdoppelt findet (Individuum), das ihm einerseits bis aufs Haar gleicht und andererseits sofort und sehr zu seiner Verstörung erfolgreicher und beliebter ist als er selbst – und ihn Stück für Stück aus seinem Job und der Gesellschaft verdrängt. Goljadkins Verzweiflungsschreie, er sei das Original und der andere doch nur die Fälschung, verhallen unverstanden in den leeren Echoräumen der russischen Bürokratie. Am Ende flieht Goljädkin, vielmehr rennt er einfach panisch los, und „bei jedem Aufschlag der Füße auf das harte Trottoir“ entspringt dem Boden eine weitere Kopie seines Körpers, bis „ganz Petersburg von ihnen überschwemmt“ ist.
  2. Während der Proben zu Die Parallelwelt von Regisseur Kay Voges (*1972) erzählte Anekdote: Nach der Trennung von seiner ersten Freundin bringt er ihre Klamotten und Bücher in die Wohnung ihres neuen Partners. Und plötzlich ein Schock, der durch Mark und Bein geht: Die Bücher im Regal, die Alben neben dem Plattenspieler, die Inneneinrichtung, die Filmplakate, der Typ selbst – alles gleicht ihm und seinen eigenen Vorlieben. Er wurde ersetzt durch eine anscheinend weniger fehlerhafte Kopie. Ob Voges die angespannte Situation mit einem heftigen Tritt vors Schienbein löste, ist nicht überliefert.

Déjà-vu,  Ineinander verschachtelte Räume