Gegenwart, die

  1. „Jeder knüpft die Gegenwart an seine Individualität (Individuum) und meint, mit dieser verlösche alle Gegenwart; Vergangenheit und Zukunft seien nun ohne dieselbe. Wie aber auf der Erdkugel überall oben ist, so ist auch die Form alles Lebens Gegenwart! Und den Tod fürchten, weil er uns die Gegenwart entreißt, ist nicht weiser, als fürchten, man könne von der runden Erdkugel, auf welcher man glücklicherweise nun gerade oben steht, hinuntergleiten.“ (Artur Schopenhauer, 1788-1860: Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819)
  2. „Wir leben in einer Bahn der Beschleunigung, die in der Vernichtung endet. Das letzte Stadium dieser Vernichtung ist die Vernichtung der Zeit. Was man braucht, ist Zukunft und nicht die Ewigkeit des Augenblicks. Wer ernsthaft behauptet, wir lebten schon in der besten aller Welten, verdrängt in einer erstaunlichen Denkleistung all jene, die nicht im Paradies leben. Alles, was nicht in diesen Denkstil passt, wird weggedacht. Wegdenken als Sport. Das ist das Schöpferische dieser Haltung. Was man will, ist die ewige Gegenwart, damit Geschichte und Zukunft mit Gegenwart besetzt werden können. Das ist Dummheit oder Angst, oder beides.“ (Heiner Müller,1929-1995, in einem Interview mit Frank Raddatz)

Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, Raum und Zeit, Weltinnenraum

Veröffentlicht am in Allgemein by Matthias Seier | publish