Möbiusschleife, die

Geometrische Figur, die mit ein paar einfachen Handgriffen herzustellen ist und auf fast wundersame Weise das Endliche mit dem Unendlichen verknüpft. Ein endlicher, rechteckiger Streifen Papier wird an seinen beiden Enden zusammengeklebt, wobei eines der Enden vorher um 180° gedreht wird. Das Bastelergebnis kommt einer Kampfansage an alle Schwarz-Weiß-Ideologeninnen dieser Welt gleich: Das M. ist nicht orientierbar, d.h. es hat weder oben noch unten noch außen noch innen (Brei der Wirklichkeit vs. Schöpfen heißt Grenzen ziehen). Wenn man irgendwo beginnt, mit dem Finger den zusammengeklebten Streifen entlang zu fahren, wird man nie an ein Ende gelangen, dafür aber immer wieder die Seiten wechseln. Eine Geschichte zu erzählen, die wie eine M. aufgebaut ist, war übrigens das erklärte Ziel von David Lynch (*1946), als er an seinem Film Lost Highway (1997) arbeitete (Fred, Mystery Man).

Veröffentlicht am in Allgemein by Alexander Kerlin | publish