Individuum, das

(lat.: „Unteilbares“, „Einzelding“) Das europäische, aufgeklärte Konzept vom I. besagt in etwa, dass jede Einzelne von Grund auf unverwechselbar und – Achtung: Paradox – dass Unverwechselbarkeit ein Ziel sei, das es im Leben zu erreichen gilt. Das I. gründet sich also durch Abgrenzung von dem, was es nicht ist oder sein möchte und muss diese Arbeit an der Abgrenzung ein Leben lang fortsetzen, um sich nicht dem Gefühl der Auflösung auszusetzen (Hochzeitsfeier, Würde der Abstände). Als Angriffe auf die Individualität werden z.B. Paralleluniversen, Uniformen, Franchise-Unternehmen, Gleichschritt oder die Forderung nach Konformität gewertet. Nur die Logik widerspricht: Wenn am Ende alle individuell sind, ist‘s keiner mehr, heißt: Alle sind genau in ihrer Eigenschaft, sich einzigartig zu fühlen, gleich. Rilke (1875-1926): „Durch alle Wesen reicht der eine Raum / Weltinnenraum“.

Ameisen, Identität

Veröffentlicht am in Allgemein by Alexander Kerlin | publish