Weltmaschine, die

Metapher für das sogenannte mechanistisch-kartesianische Weltbild, das im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts im westlichen Kulturkreis die unter anderem von Aristoteles (384 – 322 v. u. Z.) geprägte Vorstellung der Welt als lebendiges, organisches Ganzes ablöste. Der Philosoph René Descartes (1596 – 1650) gründete seine Naturanschauung auf der Unterscheidung zwischen Körper und Geist als zwei unabhängige und getrennte Bereiche (Brei der Wirklichkeit, Schöpfen heißt Grenzen ziehen). Als Folge dieser Spaltung beschrieb er das Universum als Maschine: Die Natur funktioniere nach mechanischen Gesetzen und alles in der Welt der Materie könne durch die exakte mathematische Beschreibung der Anordnung und der Bewegung ihrer Teile erklärt werden. Diese Weltanschauung wurde zum vorherrschenden Paradigma in den sich gründenden, modernen Wissenschaen und zum Ausgangspunkt ihres bis heute gültigen Ideals der Objektivität. Sie schloss quasi die vierte Wand (Theater (Minimaldenition)) vor den natürlichen Erscheinungen, und die Wissenschal erinnen nahmen vor ihren Mikroskopen und Teleskopen Platz wie  Theaterzuschauer in der Loge – als existierten die Darstellungen des Geschehens auf der Bühne bzw. im Reagenzglas unabhängig von ihnen als Beobachterinnen (Schrödingers Katze). Descartes’ Bild von der Welt als Maschine bestimmte im Zusammenspiel mit den Arbeiten von Newton (1643 – 1727) die Methoden zur Erforschung aller Naturerscheinungen als unanfechtbares Apriori – bis die Entdeckungen in der Quantenphysik im 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens offensichtlich machten. Den Begründern der modernen Physik erschwerte die kartesianische Denkweise lange Zeit, ihre Beobachtungen atomarer Phänomene schlüssig zu interpretieren. Heisenberg (1901– 1976) schrieb dazu: „Diese Spaltung hat sich in den auf Descartes folgenden drei Jahrhunderten tief im menschlichen Geist eingenistet, und es wird noch viel Zeit vergehen, bis die durch eine wirklich anders-artige Haltung gegenüber dem Problem der Wirklichkeit ersetzt werden wird.“

Knapp, Natalie, Schmerz im Zeh