Satellite Arts Project

Von Marshall McLuhan (1911-1980) ist das Wort überliefert, dass jede neue Technologie einen neuen Krieg erfordert (so wurde z.B. der Dreißigjährige Krieg immer wieder in Zusammenhang mit der Erfindung des Buchdrucks gebracht, die ihm vorausging). Man möchte ergänzen: Jede neue Technologie erfordert auch immer die Anstrengung, eine neue Kunstgattung zu erfinden und zu verteidigen, die sich zum Ziel nimmt, die McLuhan‘sche Kausalkette zu sprengen. Am 4. Oktober 1957 schossen russische Wissenschaftler den ersten Satelliten (lat. Satellit „Belgleiter, Leibwächter“, altertümlich auch Kunstmond) ins All. Seitdem sind ca. 18.500 weitere Objekte in den Kosmos katapultiert worden, von denen 2016 noch ca. 1400 aktiv waren; sie dienen der Spionage, Rundfunktechnik, Erdbeobachtung. Ihre Erfindung und Nutzung hat den Erdball „verkleinert“ (Würde der Abstände) und zum Objekt ständiger Beobachtung, Belauschung und Berauschung gemacht. Die frühen Namen der Satelliten (Sputnik 1, Explorer 1, Astérix) atmen heute noch den frostigen Hauch des Kalten Krieges. Nun ja, und mitten im frühen Wettlauf der Supermächte um die Herrschaft in der Elektrosphäre (Anzahl der Globalisierungsphasen), kämpften auch ein paar amerikanische Künstlerinnen in den 1970er Jahren bei der NASA um Zugang zu den Satelliten und ihren Funksignalen. Ihr Ziel: Zum ersten Mal in der Geschichte weit voneinander entfernte Schauplätze miteinander zu verbinden, um sie zum Schauplatz eines Kunstwerks werden zu lassen. Heraus kam das S.A.P., das 3000 Kilometer voneinander entfernte Tänzerinnen live in einem Bild zusammenfügte – zur Welturaufführung des ersten „time-delay feedback dance“ (Latenz), begleitet von einem Duett des Flötisten Paul Horn (1930-2014) mit seinem eigenen Echo (Déjà-vu). Die Künstlerinnen hießen Sherrie Rabinowitz (1950–2013) und Kit Galloway (*1948) (Hole in Space). Hören wir ihnen zu, was sie 1987 rückblickend über ihre Erfahrungen zu sagen hatten: „Wir haben Bilder immer als Orte betrachtet. In unserem Denken ist die Essenz, das Wunder, die Möglichkeit zu haben, über Satelliten Live-Events über große Entfernungen hinweg miteinander zu verbinden. (…) Eine der Sachen, an denen wir derzeit arbeiten ist ein Projekt, bei dem wir Performer in der Sowjetunion und Performer in den USA sich miteinander in einem Bild treffen lassen wollen, in diesem virtuellen Raum ohne geographische Begrenzungen, und in diesem Raum werden sie gemeinsam tanzen. Tanz und Performance muss nicht übersetzt werden. Wenn man zu kommunizieren beginnt und es hinbekommt, dass Körper sich (im Bild) berühren und miteinander verbinden, kreiert das einen neuen Kontext.“

Quantentechnologie

Veröffentlicht am in Allgemein by Alexander Kerlin | publish