Paralleluniversen, die

Sowohl aus kosmologischen Beobachtungen als auch aus quantenphysikalischen Überlegungen schließen Forscher auf die Existenz des Multiversums und der in ihm enthaltenen P.. Wissenschaftler diskutieren bis zu vier physikalische Modelle, in denen merkwürdige P. ihren Platz finden. Da ist die Rede von P., die zwar im dreidimensionalen Raum verortet sind, aber weit außerhalb des beobachtbaren Teils unseres Universums liegen. Manche dieser P. folgen denselben physikalischen Bedingungen wie unseres, in anderen herrschen fremdartige Naturgesetze, die es zum Beispiel ermöglichen, dass man sich in mehr als drei Raumdimensionen bewegen kann. Wiederum andere P. finden sich nicht in den kosmischen Weiten des dreidimensionalen Raumes, sondern in umgekehrter Blickrichtung: in der Welt des Allerkleinsten. 1957 diskutierte der Physiker Hugh Everett (1930-1982) zum ersten Mal seine berühmt-berüchtigte Viel-Welten-Interpretation der Quantenphysik. Quantenobjekte zeichnen sich u.a. aus durch eine Besonderheit namens Superposition, d.h. vereinfacht gesagt, sie können mehrere Zustände gleichzeitig annehmen, bis sie eine physikalische Wechselwirkung eingehen mit ihrer Umwelt, z.B. in Form einer Messung (Schrödingers Katze). Wenn das geschieht, wird in unserem wahrnehmbaren dreidimensionalen Raum ein Zustand, eine Eigenschaft von allen möglichen Eigenschaften und Zustünden Fakt, während sich die anderen in einer anderen Dimension realisieren. Die P. vervielfachen sich in diesem Modell in einem unendlichdimensionalen Raum. Für uns, die wir uns in der Froschperspektive des dreidimensionalen Raumes befinden, ist nur ein winziger Teil dieser Gesamtrealität wahrnehmbar. Aus einer vorgestellten Vogelperspektive betrachtet, welche mehrere Dimensionen in den Blick bekäme, enthält die abstrakte Quantenwelt eine riesige Menge von parallelen Geschichtslinien (Naturwissenschaften und Kunst). Auf dem Weg vom Möglichen zum Faktischen verzweigen sich Situationen durch diese Prozesse in unzählige Kopien – und zwar: je eine Kopie für jedes mögliche Ergebnis (Der Garten der Pfade, die sich verzweigen). Daraus ergibt sich eine unüberblickbare, blubbernde Vielzahl von P., eine Art Quantenschaum, in dem unsere Wirklichkeit ein winziges Bläschen ist. Die Vorstellung von Einzigartigkeit wird damit ad absurdum geführt (Knapp, Natalie). „Entweder ist nichts real, oder alles ist real. In die Zukunft führen viele Wege, und jeden davon wird irgendeine Version von uns einschlagen. Jede Version von uns wird glauben, einen eindeutigen Weg zu gehen, und auf eine eindeutige Vergangenheit zu blicken, aber die Zukunft wird unerkennbar sein, da es so viele Arten von Zukunft gibt.« (Hugh Everett)