Latenz, die

Zeitverzögerung bei der Übertragung von Daten. Eine typische Krankheit bei der Arbeit mit Live-Video auf der Bühne: auffällige Unregelmäßigkeiten bei der Lippensynchronität, z.B. weil Bild- und Tondaten unterschiedliche L.en haben. Der Netzwerk Engineer Dominik Bay von rrbone ist hauptverantwortlich für die lichtschnelle Glasfaser-Verbindung zwischen den Theatern. Dominik, mal Hand aufs Herz, wird das mit der L. nicht noch viel schlimmer in diesem Projekt als sonst? Dominik: „Üblicherweise fällt man sich ab 100 Millisekunden (ms) ins Wort, die Reaktionszeit eines Menschen liegt im Schnitt bei 250 ms, visuelle Reize können jedoch schon innerhalb von 13 ms wahrgenommen werden. Unser Übertragungsweg von Dortmund nach Berlin verläuft in etwa parallel zur Bundesautobahn 2 und hat eine Länge von ca. 597 km (Vierhundertzwanzig Komma sechs zwei) und damit eine L. je Richtung von 2,99 ms. Da wir noch diverse Effekte kompensieren muessen, kommen noch ca. 0,41 ms hinzu. Damit sind wir bei 3,4 ms. Die angeschlossenen Netzwerkgeräte werden weitere 1,5 ms hinzufügen, damit sind wir bei 4,9 ms je Richtung. Um das Bild auf die Leinwand oder den Bildschirm zu bringen, benötigen wir im Schnitt weitere 9 ms – damit haben wir 13,9 ms je Richtung – das sind noch ca. 11 ms Puffer bis zu unserer selbst gesetzten Obergrenze von 25 ms. Es kann im Fehlerfall natürlich immer eine L. geben, die man als Zuschauer aber vermutlich nicht bemerken wird. Schauspielerinnen, die das Stück in- und auswendig kennen, werden aber merken, wenn etwas später ankommt als üblich.“ (Diese Antwort gab Dominik im Juli 2018 – wie viele Millisekunden L. tatsächlich in der Inszenierung auftreten werden, stand zur Drucklegung des ABCs noch nicht fest.)

Veröffentlicht am in Allgemein by Alexander Kerlin | publish