Hole in Space

Frühes raumdurchlöcherndes und distanzenvernichtendes Medienkunstwerk von Kit Galloway (*1948) und Sherrie Rabinowitz (1950–2013), auch bekannt als „Mutter aller Video-Chats“ (Satellite Arts Project, Würde der Abstände). An einem Novemberabend 1980 wunderten sich nichtsahnende Spaziergänger entlang des Lincoln Center for the Performing Arts in New York City, als sie plötzlich einer zweiten Gruppe von ebenso nichtsahnenden und verwunderten Spaziergängern gegenüber stand – die sich allerdings in dem Open-Air Shopping Center The Broadway Department Store in Los Angeles befanden. Die beiden Gruppen konnten sich sehen, hören und miteinander sprechen, Galloway und Rabinowitz nutzten die Satellitentechnik ihrer Zeit für dieses Wunder der Liveprojektion, 35 Jahre vor FaceTime (Expanded Cinema). Drei Tage lang hielten die Künstlerinnen das Wurmloch (Einstein-Rosen-Brücke) geöffnet: keine Beschriftung, keine Sponsorenlogos, keine Hinweise, warum und wozu das alles. Das Kunstwerk entwickelte eine ganz eigenwillige Dynamik; es wurde geweint und gelacht; Verwandte, die sich zum Teil seit 20 Jahren nicht gesehen hatten, verabredeten sich vor den Leinwänden, um sich im virtuellen Raum coast-to-coast gegenüber zu stehen; Augenzeugen sprechen von „amazing human dramas“. Rabinowitz erinnert sich Jahre später: „Die Kraft der Television ist ihre Möglichkeit, live zu sein, Konversation in Echtzeit (Latenz) zu unterstützen, unabhängig von der Geographie (Anzahl der Globalisierungsphasen).“

Raum und Zeit

Veröffentlicht am in Allgemein by Matthias Seier | publish